Evangelische Stadtakademie Hannover

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17. LEIBNIZ-FESTTAGE
 vom 3. – 28. September 2020

In Kooperation mit den Kunstfreunden e.V. des Landesmuseums
Verantwortlich: Martina Trauschke


LEIBNIZ UND ENGLAND
ERÖFFNUNG DER 17. LEIBNIZ-FESTTAGE

Schmeicheleien zu lieben ist unentschuldbar, außer sie kommen von einem Mann wie Ihnen.

Aus dem späten Briefwechsel der Prinzessin Caroline mit Leibniz

Leibniz fand in seinen letzten Lebensjahren Verständnis und Zuspruch fast nur noch bei Caroline, der Prinzessin von Wales, der bezaubernden Schwiegertochter des englischen Königs Georg. Er fühlte sich in Hannover allein gelassen und konnte diese herzliche Förderung mehr als gut gebrauchen. Caroline war schon lange seine Bewunderin, nannte sich seine Freundin, schwärmte für die Theodizee und versuchte sogar, Isaac Newton, den großen Widersacher unseres Gelehrten,  umzustimmen. An den alten Leibniz schreibt sie mit Charme und Wärme, hat sich auch für alle seine Wünsche verwendet. Er hingegen rühmte die Prinzessin gern, gerade auch wegen ihrer auffallenden Klugheit: „Sie sind eine kompetente Richterin,  Madam!“ Doch blieb sie bescheiden: „Selbst eine so große Ignorantin wie ich bewundert Sie, denn die Wahrheit überfällt auch die Unwissenden.“

Der Vortrag mit einer Lesung aus dem Briefwechsel wird festlich musikalisch gerahmt von Kammerduetten von Agostino Steffani. Zum zweiten Mal wird gemeinsam von der Leibniz Stiftung mit der Leibniz Gesellschaft die Leibniz Ehrenmedaille übergeben. Der Geehrte ist Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Wellmer.

Vortrag: Dr. Eike Christian Hirsch
Laudatio: Dr. Nora Gädeke
Musik: Bogna Bernagiewicz – Sopran
Josefine Mindus – Sopran
Ruth Häde – Mezzosopran
Am Cembalo und unter der Leitung von: Bernward Lohr
Termin: Donnerstag, 3. September 2020, 19.00 Uhr
Ort: Neustädter Hof- und Stadtkirche
Eintritt: 10 Euro, Karten an der Abendkasse

 


„IN DIALOGO“ – EINE VERANSTALTUNG ZUM HANNOVERSCHEN RELIGIONSGESPRÄCH ZWISCHEN JUDEN UND CHRISTEN VON 1704 AM HOF VON HANNOVER

Ein bemerkenswertes Ereignis der Religionsliberalität fand im Juli 1704 in Hannover statt. Aus der schriftlich festgehaltenen Kurzfassung dieses Disputs werden Ausschnitte vorgetragen. Dazu erklingen Werke von Salamone Rossi Hebreo (1570-1630)  und Johann Rosenmüller (1619-1684). Der Dialog als philosophisches, menschliches und musikalisches Prinzip stellt die zentrale Idee des Konzertes dar. Musiker*innen und Zuhörer*innen treten miteinander in Kontakt und das Publikum wird über einfache musikalische und rhythmische Bewegungssequenzen zu aktiven Mitgestaltern des Konzertes.

Ausführende: CONCERTO FOSCARI, Kim Stockx | Dulzian & Blockflöte, Noyuri Hazama | Violine, Franciska Anna Hajdu | Violine, Lea Rahel Bader | Gambe, Sara Johnson Huidobro | Cembalo & Orgel, Alon Sariel | Laute und musikalische Leitung

Musikvermittlung: Maja Hilke
Einführung: Martina Trauschke
Termin: Freitag, 04. September 2020, 11:30 Uhr
Ort: Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis
Eintritt: 12 Euro

 


KUNST IN ENGLAND ZUR ZEIT DER VIER GEORGES

Entwicklungen in der Bildenden Kunst während der Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover. Seit George I. 1714 zum König von Großbritannien gekrönt wurde, bestand eine langjährige Verbindung zwischen dem Haus Hannover und dem  Königreich Groß Britannien. Politische Vorteile dieser Union sind bekannt, doch wie wirkte sich die Regierungszeit der vier Georges auf die Kunst aus?

Vortrag: Florina Weber
Termin: Mittwoch, 9. September 2020, 19.00 Uhr
Ort: Neustädter Hof- und Stadtkirche, Leibnizsaal
Eintritt: 8 Euro.
Kunstfreunde erhalten bei Vorlage des
Ausweises freien Eintritt.

 


PORTRÄT UND PROPAGANDA
VON DER „HOCHZEIT VON THEMSE UND RHEIN“ ALS WINTERKÖNIG INS NIEDERLÄNDISCHE EXIL UND ZUR ENGLISCHEN THRONFOLGE

Geradezu beispielhaft nutzten Friedrich V. von der Pfalz und Elisabeth Stuart, die mit ihren Kindern nach der Vertreibung vom böhmischen Thron ab 1621 im niederländischen Exil lebten, das Medium Porträt, um seine Ansprüche auf die verlorene  Königswürde und die Restituierung Kurfürstentums Pfalz zu demonstrieren. Obwohl diese politischen Ziele zunächst nicht erreicht wurden, garantierte die „Imagekampagne“, doch eine bleibende Präsenz des Winterkönigs und seiner Familie im  allgemeinen Bewusstsein und hatte auch auf die Selbstdarstellung der niederländischen Statthalter großen Einfluss. Noch die Welfen knüpften daran an, um eigene Interessen, nämlich die Erhebung in den Kurfürstenstand, durchzusetzen. So wählte Ernst August, verheiratet mit Sophie, der jüngsten Tochter Friedrichs V., für die Gestaltung des Rittersaales im repräsentativ ausgebauten Hannoveraner Schloss Honthorsts monumentalen allegorischen Triumphzug der Winterkönigsfamilie als  Deckenbild aus und ließ es von Jaques Vaillant durch ein Pendant mit dem Triumphzug seiner eigen Familie ergänzen.

Vortrag: Dr. Sylvaine Hänsel, Münster
Termin: Mittwoch, 16. September 2020, 18.00 Uhr
Ort: Neustädter Hof- und Stadtkirche, Leibnizsaal
Eintritt: 8 Euro. Kunstfreunde erhalten bei Vorlage des
Ausweises freien Eintritt.

 


„FAST MEINE GANZE THEODIZEE ANS SCHÖNSTE TAGESLICHT GEHOBEN“ – LEIBNIZ UND SHAFTESBURY – OPTIMISMUS, RATIONALISMUS UND AUFKLÄRUNG

Mit begeisterten Worten beschreibt Gottfried Wilhelm Leibniz seine Lektüre von A. A. Shaftesburys Moralists, in denen er die meisten Ideen seiner Essais de Theodicée (1710) vorweggenommen sieht. Dem 18. Jahrhundert wurde diese positive  Einschätzung durch Leibniz zwar erst nach dessen Tod durch den Druck (1720) bekannt gemacht, sie sorgte aber nachhaltig für die Bekanntheit Shaftesburys in Deutschland und begründete die Meinung von der „tiefgehenden Identität beider Lehren“ (Mark-Georg Dehrmann). Der Vortrag berichtet über das Verhältnis beider Denker zueinander, geht den Ähnlichkeiten ihrer Lehren nach, fragt aber auch nach den spezifisch philosophischen Differenzen und wirft einen Blick auf die Wirkungen und Folgen dieses Verhältnisses in der deutschen Aufklärung.

Vortrag: Dr. Stefan Lorenz, Münster
Termin: Montag, 21. September 2020, 18.00 Uhr
Ort: Neustädter Hof- und Stadtkirche, Leibnizsaal
Eintritt: 8 Euro. Kunstfreunde erhalten bei Vorlage des Ausweises freien Eintritt.

 


IM SCHATTEN DES PRIORITÄTENSTREITS.
LEIBNIZ UND SEINE BEZIEHUNGEN ZUR ENGLISCHEN GELEHRTENWELT UM 1700

Seit 1701 unterstützte Leibniz die Kurfürstin Sophie als designierte Thronerbin in den Hannoverschen Bemühungen um die britische Thronfolge. Gleichzeitig musste er aber erleben, wie seine Beziehungen zur Londoner Royal Society im Zuge des sich zuspitzenden Streits mit Newton und dessen Anhängern über die Frage der Priorität bei der Entdeckung des Infinitesimalkalküls zunehmend frostig wurden. In diesem Spannungsfeld zwischen Politik und Wissenschaft ist es Leibniz dennoch gelungen, durch ein Netzwerk von Freunden und Agenten sich regelmäßig mit Informationen über laufende Projekte der englischen Wissenschaftler und Gelehrten sowie über deren neueste Entdeckungen und Publikationen zu versorgen. Auch konnte er auf  diese Weise stets ein differenziertes Bild von Newton selbst behalten. Der Vortrag wird das englische Netzwerk Leibnizens um die Jahrhundertwende näher beleuchten und dabei zeigen, welch wichtige Rolle es für sein Verhältnis zu London gespielt hat.

Vortrag: Prof. Dr. Philip Beeley, Oxford
Termin: Mittwoch, 23. September 2020, 19.00 Uhr
Moderation: Martina Trauschke
Ort: Neustädter Hof- und Stadtkirche, Leibnizsaal
Eintritt: 8 Euro. Kunstfreunde erhalten bei Vorlage des Ausweises freien Eintritt.

 


ÜBER DIE ERFINDUNG DER ZEIT
WIE DIE ENTWICKLUNG VERBESSERTER CHRONOGRAPHEN DAS WELTBILD VERÄNDERTE

Zeit ist knapp, sie verfliegt, muss geplant werden! Das war nicht immer so. Die Wahrnehmung der Zeit war über Jahrtausende hauptsächlich durch den Tages- und Jahresablauf der Arbeit und der Natur geprägt. Plötzlich änderte sich etwas. Das passierte in der Epoche des Barock zu Lebzeiten von Leibniz. Leibniz und sein britischer Kollege Newton diskutierten viel über die Zeit und diese Diskussionen halten bis heute an. Das Bild der Zeit, ja die Erfindung der modernen Zeit, beeinflusste nicht nur das individuelle Empfinden, durch eine präzisere Zeitmessung konnte erst die Welt und in heutiger Zeit das Weltall erkundet werden. Was ist da passiert, in der Zeit von Leibniz? Was führte die Zeitenwende herbei? Dazu werden in dem Vortrag Zusammenhänge aufgezeigt, die zum Nachdenken über unsere heutige Zeit und unser zeitempfinden einladen.

Vortrag: Prof. Dr. Ulrich Kalinke
Termin: Montag, 28. September 2020, 19.00 Uhr
Ort: Neustädter Hof- und Stadtkirche, Leibnizsaal
Eintritt: 8 Euro. Kunstfreunde erhalten bei Vorlage des Ausweises freien Eintritt.

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